Herausforderndes Verhalten - herausfordernde Situationen

Die aktuelle Unterrichtsforschung hat gezeigt, dass ein gutes Klassenklima sowie eine belastbare und auf Vertrauen ruhende Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen/Schülern ganz wesentlich das Lernen im Unterricht fördern. Gleichzeitig ist es eine Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund ihrer aktuellen Lebenslagen und ihrer Biografien Verhaltensweisen in die Klassen und Schulen hineintragen, die das
Unterrichten erschweren und das soziale Miteinander belasten. In diesen Situationen wird es immer wieder notwendig, zwischen dem schwierigen Verhalten der Kinder und Heranwachsenden sowie ihrer Person zu trennen. Dies ermöglicht den Blick auf schwierige Lebenssituationen.

Da durch den engen Bezug zum Unterricht und zum Lernen das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler einen zentralen Aspekt ihrer  Handlungskompetenz darstellt, bestimmt es auch wesentlich die Qualität einer Schule. Damit wird der Umgang mit Schülerinnen und Schülern über die notwendigen Interventionen hinaus zu einer zentralen Aufgabe von Prävention.

Aus der Perspektive einer präventiven Arbeit sind drei Ebenen zu unterscheiden: die Schulebene, die Klassenebene und die Ebene des Individuums:

  • Auf der Schulebene ist es wichtig, die einzelne Lehrkraft durch klare und verbindliche Strukturen zu entlasten. Dazu gehören ein verbindlicher Werterahmen, der von allen getragen und eingehalten wird, eine darauf abgestimmte Interventionskette zum Umgang mit Störungen, Regelverstößen und Verhaltensauffälligkeiten sowie ein System der Konfliktkultur, das den konstruktiven Umgang mit Konflikten fördert und fordert.
  • Auf der Klassenebene bedarf es eines zur jeweiligen Lehrkraft wie zur Lerngruppe passenden Classroom-Managements, das transparente und verbindliche Strukturen schafft sowie potenzielle Störungsquellen minimiert.
  • Auf der Ebene der einzelnen Schülerin / des einzelnen Schülers muss die individuelle Situation in den Blick genommen werden, wobei auch die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen mit einzubeziehen sind. Hier bietet sich kollegiale Beratung als ein unterstützendes Verfahren an.