Überblick

 

Hintergrund

Krisenhafte Situati­onen und Katastrophen­fälle rücken zu­nehmend ins Bewusst­sein der Gesell­schaft und damit auch un­serer Kinder und Jugend­lichen. Gleich­zeitig fehlen häu­fig elemen­tare Kennt­nisse zu ihrer Einordnung, über Vorsorge­maßnahmen und über das rich­tige Verhalten im tatsäch­lichen Krisen- oder Katastrophen­fall. Aus diesem Grunde sol­len die Kin­der und Jugend­lichen zukünf­tig ver­stärkt für vielfäl­tige mög­liche Risiko- und Bedrohungs­lagen sensibilisiert und für die Parti­zipation an der Bewäl­tigung even­tueller Schadens­ereignisse be­fähigt wer­den. Zu die­sen zäh­len unter an­derem:

  • Naturgefahren (z. B. Hochwasser, Sturm, Hitze, Waldbrand)
  • Technische und industrielle Ereignisse (z. B. Strom­ausfall, Gefahr­stoff­freisetzung, Infra­struktur­versagen)
  • Gesundheitslagen (z. B. Pande­mien, Anfall von Er­krankten oder Ver­letzten)
  • Gesellschaftliche und sicherheitsrelevante Lagen (z. B. An­schläge, hybride Bedro­hungen wie Sabo­tage, De­stabi­lisierungs­versuche wie Des­informations­kampagnen)
  • Komplexe Krisen (z. B. Kombi­nationen aus mehreren Ereig­nissen wie etwa Unwetter + Stromausfall + Kommunikations­ausfall)

 

Intentionen

Schulische Bildung kann einen wichtigen Beitrag zur gesell­schaftlichen Resilienz leisten. Das Land Schles­wig-Hol­stein misst den Schu­len daher eine große Be­deu­tung im Rahmen des Be­völ­kerungs­schutzes zu. Handlungs­sicherheit für den Um­gang mit solchen Ereig­nissen können Kennt­nisse und Fähig­keiten aus dem Fach­unterricht, allge­meine Lebens­kompe­tenzen, aber auch Kompe­tenzen aus dem Bereich des Selbst­schutzes und der Selbst­hilfe verschaf­fen. Im Fokus steht dabei die Befähigung, un­abhängig vom kon­kreten Aus­löser, mit typischen Problem­lagen und Wirkungs­mustern umzugehen, die in vielen Szenarien auftreten können (sog. „Allgefahrenansatz“).

Aus schu­lischer Per­spek­tive fußt Bevöl­kerungs­schutz rele­vante Ar­beit auf drei Säu­len:

Schü­lerin­nen und Schü­ler auf die Be­wäl­ti­gung von Krisen­lagen vor­be­rei­ten:

  • (a) Selbsthilfe-/Selbstschutz­kom­petenzen und Notfall­wissen (z. B. Erste Hilfe, Brand­schutz, Vorsorge)
  • (b) Kontextwissen und Fähig­keiten aus den Schul­fächern zur Ein­ordnung mög­licher Be­drohungs­lagen und krisen­hafter Si­tu­ationen (z. B. Ur­sachen von Natur­ereignis­sen, Be­deutung wichtiger Infra­struk­turen)

Schu­le auf den Be­trieb wäh­rend und nach Krisen­lagen vor­be­rei­ten:

  • (c) Rol­len­klä­rung von Schu­le und Lehr­kräf­ten in Krisen­lagen (z. B. Pla­nun­gen für die fach­lich-didak­tische, päda­go­gische und gesell­schaft­liche Ar­beit der Schu­le wäh­rend der La­ge)

 

Grundlagen-Informationen

Im Fol­gen­den sind Grund­lagen-Infor­matio­nen zu den Kate­gorien (a) und (b) verfüg­bar. In­forma­tionen zu (c) fol­gen.

Zu (a): Was ist Bevölkerungsschutz?

Das Bunde­samt für Bevöl­kerungs­schutz und Ka­tastrophen­hilfe (BBK) ist eine zen­trale deutsche Bun­des­oberbe­hörde im Geschäfts­bereich des Innen­minis­teriums (BMI). Es ist für den zivilen Be­völ­kerungs­schutz, Katas­trophen­hilfe, Warnung der Be­völ­kerung (z.B. NINA-App) und Vor­sorge­planung zuständig. Das BBK agiert als vierte Säu­le der Sicher­heits­architek­tur.

Erklärfilm: Was ist Bevölkerungsschutz (BBK)?

 

Zuständig für den Bevölkerungsschutz im Land Schles­wig-Hol­stein ist das Minis­terium für In­neres, Kom­munales, Woh­nen und Sport. Das Risiko-Kom­muni­kations­portal des Lan­des hält zahl­reiche In­for­mationen zum Thema Be­völkerungs­schutz bereit.

Risiko-Kommunikationsportal des Landes SH

 

Die Bundeszentrale für politische Bildung hält aktuelle Informationen zum Thema bereit.

Poster "Wer macht was im Bevölkerungsschutz?"

Themenheft "Bevölkerungsschutz", IzpB 365 (1/2026)

Zu (a): Übersicht Selbsthilfekompetenzen und Notfallwissen der Bevölkerung im Sinne eines modernen Bevölkerungsschutzes

Die hier ver­link­te Über­sicht stellt Selbst­hilfe­kompe­tenzen und Not­fall­wis­sen der Bevöl­kerung im Sin­ne eines mo­dernen Bevöl­kerungs­schutzes ge­ordnet nach Kate­gorien (> Spalte "Cluster") dar. Die auf­geführ­ten Fähig­keiten und Wis­sens­bestände (> Spalte "Beispiele...") kön­nen und sol­len nicht voll­umfäng­lich in der Schule erwor­ben werden. Sie dienen hier je­doch als mög­liche An­knüp­fungs­punk­te an fach­unter­richt­liche Themen und außer­unter­richt­liche schu­lische Ange­bote.

Übersicht: Selbst­hilfe­kompe­tenzen und Notfall­wis­sen der Bevöl­kerung im Sin­ne eines moder­nen Bevöl­kerungs­schutzes

Zu (b): Beiträge der Schulfächer

Über Selbstschutz-/Selbst­hilfe­kom­peten­zen und Not­fall­wis­sen (a) hinaus unter­stützt Schu­le die Schü­lerin­nen und Schü­ler dabei, Kon­texte, Ur­sachen und Aus­wir­kungen kri­sen­hafter Situ­ationen bes­ser ein­ord­nen zu können (b). Das un­ter­richt­liche und außer­unter­richt­liche An­ge­bot der Schule trägt dazu bei, aus einer dif­fu­sen Risiko­wahr­neh­mung ein re­flek­tier­tes Risikobewusstsein zu ent­wickeln. Während die Risiko­wahr­neh­mung ein si­tuatives Empfin­den be­schreibt, steht das Risikobewusstsein für ein sta­biler­es, meist kog­nitiv fun­diertes Wis­sen einer Per­son oder Grup­pe über Risi­ken, deren Ur­sachen, Fol­gen und Hand­lungs­op­tionen.

Eine Übersicht über geeignete, Be­völ­kerungs­schutz re­le­vante An­knüpfungs­punkte an die Fach­an­for­derungen der Schul­fächer und im AG-Bereich ist im Ab­schnitt Umsetzung im Unterricht verfüg­bar.

Zu (b): Aktionstag

Verstärkt werden kann die Sen­sibili­sierung und prak­tische Be­fähi­gung der Schü­lerin­nen und Schü­ler zu­künf­tig durch einen Aktionstag zu Ka­tastrophen­schutz- und Be­völ­kerungs­schutz­themen. Die Schu­len sind ein­ge­laden, diesen am oder um den bun­des­wei­ten Warn­tag im Sep­tem­ber eines jeden Jahres (z. B. am 10.09.2026) durch­zu­führen. Der Aktions­tag eig­net sich ins­beson­dere für Ori­ginal­begeg­nungen und prak­tisches Han­deln mit ehren­amt­lichen Hel­ferin­nen und Hel­fern von Hilfs­organi­sationen zum Er­werb von Selbst­schutz-/ Selbst­hilfe­kom­pe­ten­zen und Not­fall­wissen.