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LSBTIQ* im schulischen Kontext

Die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sowie sexueller und romantischer Orientierung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, dass viele Lebensbereiche von Menschen betrifft. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Offenheit und Akzeptanz gegenüber LSBTIQ* eine positive Entwicklung verzeichnete, befinden wir uns aktuell in einer Zeit, in der Ablehnung und auch Gewalt gegenüber queeren Menschen wieder deutlich zunehmen. Damit verbunden sind mitunter erhebliche Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit.  Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko u.a. für Angsterkrankungen, Depressionen, Sucht, selbstschädigendes Verhalten und Suizid(-versuche). Das schaffen eines sicheren Raumes in Schulen und ein diversitätssensibler Umgang sind daher auch Präventionsarbeit.


Die Anliegen und Fragestellungen an Schulen zu diesem Themenfeld sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von allgemeinen Fragen zum Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Schulalltag oder zur Einbindung entsprechender Inhalte in schulische Konzepte bis hin zu konkreten Einzelfragen, beispielsweise zur Nutzung von Sanitärräumen oder zum Umgang mit Änderungen bei Namen und Geschlechtseinträgen.

Das Zentrum für Prävention unterstützt Schulen bei Fragen und Herausforderungen rund um sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt im Schulalltag. Wir bieten Beratung, Vermittlung und Fortbildungen an und stehen Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung. Da sich dieses Themenfeld weiterhin im Aufbau befindet, wird das Angebot auf dieser Seite fortlaufend erweitert. Hinweise auf Fortbildungen finden Sie demnächst in der Fortbildungsübersicht. Kommen Sie gern auf uns zu.

Im folgenden finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Dimensionen sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt sowie über relevante Gesetze.

Was bedeutet LSBTIQ* ?

LSBTIQ*
steht für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen. Das * dient als Platzhalter für die Vielfalt weiterer geschlechtliche Identitäten sowie sexueller und romantischer Orientierungen. Der Begriff „queer“ wird häufig als Oberbegriff verwendet und auch als Selbstbezeichnung genutzt. Für den respektvollen Umgang miteinander erfragen Sie die Selbstbezeichnungen und Pronomen der jeweiligen Person.

FLINTA*
steht für Frauen, Lesben, inter* Personen, Nicht-Binäre, trans* Personen und Agender und findet sich mitunter als Kennzeichnung bei Veranstaltungen, die einen für diese Menschen sicheren Raum bieten.

TIN*
steht für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen.

Erklärungen zu den Begriffen finden Sie weiter unten auf dieser Seite oder detaillierter in der Fibel "Echte Vielfalt".

Sexuelle und romantische Orientierung

Bei vielen Menschen stimmen sexuelle und romantische Orientierung überein. Deshalb wird häufig nur über sexuelle Orientierung gesprochen.

Sexuelle Orientierung beschreibt in erster Linie, welches Geschlecht eine Person sexuell anziehend findet.

Romantische Orientierung beschreibt, zu Menschen welchen Geschlechts sich eine Person emotional oder romantisch hingezogen fühlt bzw. mit wem sie eine romantische Beziehung eingehen möchte.

Die Unterscheidung zwischen romantischer und sexueller Orientierung kann Menschen helfen, die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben zu kommunizieren. Für viele Menschen sind die Selbstbezeichnungen (Label) bedeutsamer Teil ihrer Identität. Gerade für Kinder und Jugendliche kann die Beschäftigung mit der eigenen Identität dabei helfen, sich selbst besser zu verstehen und Zugehörigkeit zu erleben.

   Beispiele für sexuelle und romantische Orientierung

Heterosexualität
Heterosexuelle Menschen fühlen sich sexuell zu Menschen des oder eines anderen Geschlechts hingezogen. In vielen Gesellschaften gilt diese Orientierung als Norm, in diesem Fall spricht man auch von einer heteronormativen Gesellschaft.

Homosexualität
Homosexuelle Menschen fühlen sich zu Menschen des eigenen oder eines ähnlichen Geschlechts hingezogen. Homosexuelle Männer bezeichnen sich oft als schwul, homosexuelle Frauen als lesbisch.

Bisexualität und Pansexualität
Bisexuelle Menschen fühlen sich zu Menschen verschiedener Geschlechter hingezogen. Pansexualität beschreibt Anziehung unabhängig vom Geschlecht. Beide Begriffe stehen für vielfältige Formen sexueller Anziehung.

Asexualität
Asexuelle Menschen empfinden keine oder nur geringe sexuelle Anziehung. Asexualität (auch: Ace) umfasst ein breites Spektrum. Viele asexuelle Menschen führen romantische Beziehungen.

Die Begriffe für romantische Orientierung werden äquivalent zu denen der sexuellen Orientierungen gebildet, beispielsweise Heteroromantik oder Aromantik.

Aromantik
Aromantik (auch: Aro) bedeutet, dass diese Menschen keine oder wenig romantische Anziehung und somit kein oder ein geringes Bedürfnis, eine Liebesbeziehung einzugehen verspüren. Auch hier gibt es ein breites Spektrum von geringer bis hin zu keiner oder an enge Bedingungen geknüpfte romantische Anziehung.

Geschlecht und Geschlechtsidentität

Geschlecht umfasst mehr als körperliche Merkmale. Neben biologischen Aspekten spielen auch die persönliche Geschlechtsidentität sowie gesellschaftliche Rollenbilder eine wichtige Rolle. Geschlecht kann daher mehr als mehrdimensionales Spektrum und weniger ausschließlich binär verstanden werden.
Eine differenzierte Betrachtung kann dazu beitragen, Verständnis und Akzeptanz für Menschen zu fördern, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Ziel ist ein respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und die Anerkennung der Würde jedes Menschen.

Körperliches Geschlecht
Es umfasst Genitalien, Hormone und Chromosomen. In jedem dieser Merkmale können männliche, weibliche und uneindeutige Ausprägungen vorliegen. Menschen, die anhand von körperlichen Merkmalen nicht eindeutig einem Geschlecht zugewiesen werden können, werden als intergeschlechtlich oder *inter bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine natürliche Entwicklung mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen.

Geschlechtsidentität (Selbstbestimmtes Geschlecht)
Dies beschreibt das innere Wissen um das eigene Geschlecht. Die Geschlechtsidentität ist keine feststehendes Merkmal und kann sich im Laufe des Lebens ändern. Bei den meisten Menschen ist sie jedoch recht stabil und es ändert sich eher die Art, in der das selbstbestimmte Geschlecht ausgelebt wird. Wenn die Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, spricht man von Transgeschlechtlichkeit (engl. transgender) oder trans*.

Soziales Geschlecht
Das soziale Geschlecht umfasst beispielsweise Kleidung, Auftreten und gesellschaftliche Geschlechterrollen. Dazu gehören sowohl persönliche Ausdrucksformen als auch gesellschaftliche Erwartungen und verbreitete Sterotypien.

Juristisches Geschlecht
In Deutschland wurden 2019 vier Optionen für den Personenstand rechtlich anerkannt: männlich, weiblich, „divers“ sowie die Möglichkeit, auf einen Eintrag zu verzichten. Kindern wird bei der Geburt in den meisten Fällen vom medizinischen Personal das juristische Geschlecht „männlich“ oder „weiblich“ zugewiesen. Das juristische Geschlecht kann im Rahmen des Selbstbestimmungsgesetzes geändert werden.

   Beispiele für Geschlechtsidentität

Frau / Frau*
Ein Mensch, der sich als weiblich identifiziert.

Mann / Mann*
Ein Mensch, der sich als männlich identifiziert.

Cisgeschlechtlich (cis)
Ein Mensch, bei dem die Geschlechtsidentität dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht.

Transgeschlechtlich (transgender / trans*)
Menschen, die sich mit einem anderen als dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Zum Beispiel können trans* Frauen Frauen sein, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeordnet wurde.

Nicht-binär
Menschen, die ihre Geschlechtsidentität nicht ausschließlich als männlich oder weiblich oder außerhalb dieser Kategorien verorten. Weltweit und auch in historischen Quellen gibt es viele weitere Arten der Nicht-Binarität. Nicht-binär (auch: non-binary, enby) ist auch ein Oberbegriff z.B. für Menschen, bei denen sich die Geschlechtsidentität ändert (genderfluide) oder die sich keinem Geschlecht zuordnen (agender).

Selbstbestimmungsgesetz (SBGG)

Das seit November 2024 geltende Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) regelt auch für Kinder und Jugendliche, wie sie das ihnen bei der Geburt zugewiesene Geschlecht und ihren Namen rechtswirksam ändern können. Nach der Änderung unterliegen der vorherige Name (sogen. „Deadname“) und das vorherige Geschlecht einem Offenbarungs- und Ausforschungsverbot.

Im schulischen Alltag können Schulen häufig auch ohne rechtskräftige Änderung den selbstgewählten Namen verwenden (z.B. bei der Ansprache, in Klassenlisten oder auf anderen internen Dokumenten ohne Rechtswirkung).
Hat eine Person ihren Namen nach dem Selbstbestimmungsgesetz rechtswirksam geändert, müssen anschließend auch Zeugnisse und andere offizielle Dokumente mit dem neuen amtlichen Namen ausgestellt beziehungsweise auf Antrag angepasst werden.
In Schulen kann dies in verschiedenen Bereichen Fragen mit sich bringen. Informationen hierzu wurden im Juni 2025 in einem Anschreiben an die Schulleitungen gesendet.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Das seit 2006 geltende Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch bekannt als „Antidiskriminierungsgesetz“, ist ein Gesetz zum Schutz vor Benachteiligung oder Belästigung. Es verbietet eine ungerechte Behandlung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität und gilt vor allem im Arbeitsleben sowie teilweise im Alltag, etwa in Schulen, bei der Wohnungssuche oder bei Dienstleistungen.

Ziel des Gesetzes ist es, Gleichbehandlung und Chancengleichheit zu fördern sowie Betroffenen rechtlichen Schutz und Unterstützung zu bieten. An Schulen kann dies etwa bei Bewertungen, Teilnahme am Unterricht oder schulischen Angeboten relevant sein.

Bei vermuteten Verstößen gegen das AGG kann man sich bei derAntidiskriminierungsstelle Schleswig-Holstein beraten lassen.

 

Für weitergehende Informationen und Unterstützungsangebote hier eine unvollständige Liste verschiedener Seiten:

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Kontakt

Nadja Einhaus

Koordinatorin für LSBTIQ*
Gesundheit von Schülerinnen und Schülern

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