Lehrergesundheit und Suchthilfe an Schulen für Lehrer

In den letzten Jahren ist das Thema Lehrergesundheit zunehmend in den Fokus der öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit gerückt. Dementsprechend nimmt auch das Forschungsinteresse zu, denn die Qualität der Schulbildung und -erziehung beeinflusst ganz wesentlich das Lernen der Kinder und Jugendlichen. So konnte mithilfe von Studien belegt werden, dass der schulische Erfolg der Schülerinnen und Schüler auch wesentlich von
der gesundheitlichen Situation der Lehrkräfte abhängt. Gesundheit wird insofern zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal unserer Schulen.

Dabei ist es eine Tatsache, dass Lehrkräfte von vielen Seiten gefordert werden: von Schülerinnen und Schülern, Eltern, aber auch von der Schulleitung und vom Kollegium. Zudem nimmt die Beanspruchungssituation aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und der Veränderungen in der Schullandschaft kontinuierlich zu.

Beschreiben lässt sich Gesundheit als dynamische Balance zwischen Person und Umwelt, zwischen Ressourcen und Anforderungen, wobei der Selbstwirksamkeit des Menschen eine besondere Bedeutung zukommt. Von daher gewinnt das Konzept der Salutogenese als Grundlage einer nachhaltigen Gesundheitsförderung an Bedeutung. Es ermöglicht, Ressourcen und Potenziale von Menschen in den Blick zu nehmen, ohne schwierige
Situationen zu negieren − denn es ist nachgewiesen, dass die berufliche Zufriedenheit eng mit dem individuellen Belastungserleben zusammenhängt.
In diesen Zusammenhang gehört auch das Thema Kohärenzgefühl, denn Menschen mit einem hohen Kohärenzsinn sind besonders stressresistent. Sie erleben die Aufgaben, die sich ihnen stellen, als sinnhaft, handhabbar und als strukturiert.

Zusätzlich kommt Resilienz in den Fokus, das heißt die psychische Widerstandsfähigkeit des einzelnen Menschen, Krisen zu bewältigen.

Auch die Ergebnisse der Potsdamer Studie zur psychischen Gesundheit im Lehrerberuf zeigen Aspekte auf, die für die Fortbildungen zur Lehrergesundheit von Bedeutung sind. Dabei handelt es sich um drei Bereiche:

  • das berufliche Engagement,
  • die Widerstandskraft gegenüber Belastungen und
  • die berufsbegleitenden Emotionen.

Da das Thema Lehrergesundheit ein umfassendes Wissen im Bereich der Arbeits- und Gesundheitspsychologie erfordert, arbeitet das IQSH seit Jahren erfolgreich mit externen Referentinnen und Referenten zusammen, die über eine hohe Expertise verfügen.

Betriebliche Suchthelferinnen und Suchthelfer sind mit ihrem Unterstützungsangebot ein Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. In ihrer Tätigkeit sind sie den Zielen und Grundsätzen der gültigen Dienstvereinbarung „Hilfe für suchtgefährdete Lehrerinnen und Lehrer“ NBI.MBWFK.Schl.-H. 2002, S. 391 ff. verpflichtet.

Übergreifend für alle Schularten in Schleswig-Holstein arbeitet ein Team aus fünf Suchthelferinnen und Suchthelfern nebenamtlich in Zuständigkeit für jeweils drei Kreise beziehungsweise kreisfreie Städte. Die Suchthelferinnen und Suchthelfer sind für ihre Tätigkeit durch die Leitstelle für Suchtgefahren am Arbeitsplatz in der Landesverwaltung Schleswig-Holstein ausgebildet und verfügen darüber hinaus über eine Zusatzqualifikation zur/zum betrieblichen Ansprechpartnerin/Ansprechpartner bei psychischen Störungen. Auch diese Tätigkeit hat beratenden und unterstützenden
Charakter.
Die Grundlage des Hilfsangebotes für betroffene Lehrkräfte basiert auf einem Vertrauensverhältnis und den fachlichen und persönlichen Kompetenzen der Suchthelferinnen und Suchthelfern.

Kernaufgabe der Suchthelferinnen und Suchthelfer ist es, suchtgefährdeten und -kranken Lehrkräften, den schulischen Führungskräften sowie den Kolleginnen und Kollegen in den Schulen als Ansprechpartnerin/Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Sie bieten:

  • Begleitung, von der Motivation über die Behandlung, bei der Wiedereingliederung (BEM), bis zur
    Nachsorge,
  • Information über das interne und externe Hilfesystem (Arbeitsmedizin, Beratungsstellen, Fachkliniken, Selbsthilfegruppen),
  • Moderation von kollegialen Gesprächen, Team- und Konfliktgesprächen im Zusammenhang mit einer Abhängigkeitserkrankung.

Alle Suchthelferinnen und Suchthelfer verfügen über Kompetenzen in motivierender Gesprächsführung und im aktiven Zuhören − in Abgrenzung zur konfrontativen Gesprächsführung. Betroffene entscheiden selbst, ob sie diese Hilfe annehmen möchten. Wichtig ist, dass die Suchthelferinnen und Suchthelfer der Schweigepflicht unterliegen.

Im Umgang mit suchtgefährdeten und suchtkranken Lehrkräften haben schulische Führungskräfte aufgrund ihrer Aufsichts- und Fürsorgepflicht eine Schlüsselrolle. Sie müssen dazu beitragen, dass Betroffenen schnell geholfen wird, indem sie:

  • Auffälligkeiten wahrnehmen, die möglicherweise in einem Zusammenhang mit einer Abhängigkeitserkrankung stehen,
  • Probleme offen ansprechen und Erwartungen deutlich machen,
  • Konsequenzen aufzeigen und einhalten,
  • auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen.

Abhängigkeitserkrankungen erledigen sich in der Regel nicht von allein. Das konstruktive Zusammenwirken von schulischen Führungskräften und der Suchthelferin oder dem Suchthelfer in ihrer jeweiligen Rolle hilft Betroffenen und schafft Entlastung für die Kollegien.