Sexuelle Bildung und Prävention sexueller Gewalt

Die Schule ist für Schülerinnen und Schüler heute nicht mehr nur Lernort, sondern auch Lebensort und insofern ein Ort der Intimität und sexuellen Kommunikation. Verliebtsein, Liebeskummer, Trennungsschmerz, aber auch sexuelle Grenzverletzungen sind Aspekte, die das Schulleben prägen. Zwischen Sexualität und Gewalt entsteht in Schulen oftmals ein Spannungsfeld aus Unsicherheiten und Handlungsbedarf. Neben dem Schulgesetz sind die Handlungsempfehlungen der KMK zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen von 2010, mit Ergänzungen von 2012, Grundlagen für die sexualpädagogische Arbeit und die Prävention sexueller Gewalt.

Dabei ist die Prävention sexueller Gewalt auf sexuelle Bildung angewiesen. Diese verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche zu einer selbstbestimmten Gestaltung von Liebes- und Lebensweisen zu befähigen. Sie integriert nicht nur die intentionalen und gelenkten Lernprozesse von außen, sondern auch die aktive Aneignung von sexuellem Wissen und Handeln durch die Kinder und Jugendlichen selbst. Betont wird die Selbsttätigkeit des Menschen
in der Auseinandersetzung mit den Sozialisations- und Erziehungseinflüssen.
Sexuelle Bildung fragt nach den Ressourcen einer sexuellen Kompetenz, die mühsam und zugleich lustvoll erlernt werden muss. Dazu brauchen Kinder und Jugendliche Erwachsene, die ihnen Lern- und Erfahrungsräume zur Verfügung stellen. Sexuelle Bildung orientiert sich somit an der Förderung individueller personaler und sozialer Ressourcen sowie an den Bedürfnissen in den unterschiedlichen Lebensabschnitten und Altersstufen. In diesem
Zusammenhang muss auch die lebensbejahende und lustvolle Seite von Sexualität zur Sprache kommen.

Auf diese Weise vermittelt sexuelle Bildung den Schülerinnen und Schülern die notwendige Sprachfähigkeit im Bereich der Sexualität, die entwickelt sein muss, damit im Rahmen der Prävention sexuelle Gewalt thematisiert werden kann. Gerade von sexueller Gewalt betroffene Kinder verfügen häufig nicht über eine Sprache für das, was ihnen angetan wurde. So sind „sexuell gebildete“ Kinder und Jugendliche eher vor sexueller Gewalt geschützt.
Die Prävention von sexueller Gewalt orientiert sich an der Förderung der Lebenskompetenzen von Schülerinnen und Schüler, wobei der Stärkung von Handlungskompetenz eine besondere Bedeutung zukommt. Auch geht es um den Umgang mit riskanten Situationen im Alltag, zum Beispiel um Informationen über Risikosituationen und die Fähigkeiten, selbst gewählte Kontakte zu knüpfen oder sich in fremdbestimmten Situationen zur Wehr zu setzen beziehungsweise Hilfe zu holen.

Mögliche Themen im Unterricht:

Sexuelle Bildung

  • Sprache, Werte und Genderaspekte
  • Körper, Fortpflanzung und Sexualität
  • Emotionen, Beziehungen und Lebensstile

Prävention sexueller Gewalt

  • Informationen zu sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt
  • Berührungen und Gefühle
  • Grenzen setzen
  • Sexuelle Grenzverletzungen und sexuelle Belästigung
  • Gewalt in Teenagerbeziehungen
  • Rechte und Schutz